Die schönen Dinge im Leben - Holy Shit Shopping in Köln

posted on: Montag, 9. Dezember 2013

Ich bin ja bekennender Weihnachtsfan, auch wenn man sich heutzutage kaum mehr traut das laut auszusprechen bei all den Miesepetern und Weihnachtsmarktboykottierern. Wenn die ersten Lebkuchenherzen in die Supermärkte Einzug halten und Mariah Careys "All I want for Christmas is you" aus dem Lautsprecher scheppert, verdrehe ich natürlich offiziell erstmal die Augen und murmele genervt "Fangen die eigentlich jedes verdammte Jahr noch eine Woche früher an? Weihnachten ist doch noch eeewig hin!", aber innerlich jubiliere ich.

Und da wurde ich dann vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht Lust hätte, am Wochenende mal vorbeizuschauen beim Holy Shit Shopping in den Sartory Sälen in Köln. Und ich natürlich so: Yeaah! Gesagt, getan. Am Samstag ging es ab zum Holy Shit. Gab viel zu Gucken, weswegen die Bebilderung an dieser Stelle etwas mager ausfällt. 























Kurz zum Event: Das Holy Shit Shopping entstand 2004 in Berlin, über die Jahre hat sich das Event auf Hamburg, Köln und Stuttgart ausgeweitet. Jeweils ein Wochenende lang präsentieren die Aussteller hier ihre oft außergewöhnlichen Stücke. Fündig wird, wer Handgemachtes und Schönes liebt, zum Anziehen und an die Wand hängen, zum Beschauen und zum dran Erfreuen. Kunst, Design und Lifestyle nennt sich das dann. Oder besser noch: Dinge, von denen man nie gedacht hat, dass man sie braucht, bis man sie sieht und man sich kein Leben mehr ohne vorstellen kann. Wie heißt es auf dem Flyer der Designmarke Familie von Quast so schön? "Lebenskunst ist nicht zuletzt die Fähigkeit, auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."











































So schlenderte drängelte ich mich also zwischen Schmuckstücken, Notizbüchern und Pullovern hin und her, schlürfte zwischenzeitlich mal an einer Fritz Cola und musste letztendlich die schwere Entscheidung fällen, welche der Fundstücke am Ende des Tages ihren Weg mit zu mir nach Hause antreten durften. Geschafft haben es das Bilderbuch vom Raggaehasen Boooo, ein wunderschönes Notizbuch von der Handbuchbinderei Papierfreund und ein paar Postkarten von Silberfischer.


Der Trip hat sich auf jeden Fall überaus gelohnt - ich freu mich schon aufs nächste Jahr!

Gesehen: Das französische Drama "Jung und Schön"

posted on: Samstag, 7. Dezember 2013

Bildquelle: Moviepilot
"Wir hätten gerne drei Karten für Reich und Schön", sage ich und erst der irrtierte Blick der Dame hinter dem Kinoticketschalter lässt mich merken, dass ich da wohl gerade etwas verwechselt habe. "Jung und schön, meinst du", ruft eine Freundin von hinten. Ääh, ja klar, genau den.

Wie kommt man dazu einen Film über eine junge Französin anzuschauen, die beginnt sich im Alter von 17 Jahren zu prostituieren? Wohl eher zufällig. Ich jedenfalls. Eigentlich wollten wir in einen anderen Film, als der ausverkauft war, entschieden wir uns kurzfristig für das französische Drama. Ein bisschen Skepsis war aufgrund der Handlung durchaus vorhanden, die sich angesichts der beunruhigend hohen Anzahl älterer Herren im Publikum nicht unbedingt verringerte. Harter Tobak auf jeden Fall - oder einfach nur der Versuch durch eine skandalträchtige Geschichte Zuschauerzahlen zu maximieren?

"Es war wie ein Spiel. In dem Moment habe ich fast nichts gefühlt, aber wenn ich daran zurück dachte später, Zuhause oder in der Schule, dann hatte ich Lust es wieder zu tun." 

Und da sitzt man dann plötzlich und schaut sich 90 Minuten lang an, wie Marine Vacth alias Isabelle mit Schlafzimmerblick und vollen Lippen abwesend in die Gegend schaut, egal, ob sie gerade die Blumen auf der Wandtapete zählt oder mit einem Freier schläft. Am Anfang scheint ja noch alles ganz normal zu sein. Familienferienhausidylle, die Chance auf eine Sommerliebe - dazwischen Isabelle, die nach ihrem nicht gerade berauschenden ersten Mal im Urlaub daheim beginnt, mit Männern gegen Geld zu schlafen. Viel Geld. Warum? Das wird nicht ganz klar. Vielleicht gegen die Langeweile des durchschnittlichen Teenageralltags, das Desinteresse, das sie vielen Gleichaltrigen entgegen bringt, vielleicht auch der klischeehafte Vaterkomplex. Seltsam träumerisch und unbeteiligt wirkt sie, auch wenn ihre Lügen irgendwann auffliegen, wenn die Mutter verzweifelt da steht und immer wieder von "ihrem kleinen Mädchen" spricht. Doch nicht nur die Charaktere im Film kommen kaum an Isabelle ran, auch die Distanz zum Zuschauer bleibt durchgehend gewahrt. So sind zum Schluss zwar viele Fragen offen, doch wenigstens spart sich der Film die beim Schauen zeitweise befürchtete Moralkeule.

"Jung und schön" ist ein leiser Film, der ein paar Klischees bedient (warum nur habe ich in der Hauspartyszene permanent darauf gewartet, dass "Dreams are my reality" zu spielen beginnt?), manchmal sehr ästhetisch wirkt und manchmal arg befremdlich. Regisseur Francois Ozon ist auf jeden Fall ein Film gelungen, über den geredet werden kann. Was man dann allerdings sagt, muss jeder selbst entscheiden.

Aufbrechen, ankommen, wieder aufbrechen

posted on: Montag, 2. Dezember 2013

Anfang Januar werde ich angekommen sein. Nicht unbedingt im Leben, aber in Venedig. Vorerst. Mit Herzklopfen und wahrscheinlich ohne Zahnbürste, weil man die wichtigsten Sachen ja immer vergisst, während man sonst noch an den allerkleinsten Kleinscheiß von der hastig zusammen gestellten Packliste gedacht hat. 

Ich gewöhne mich derzeit an den Gedanken, bald ein paar Ängsten in Gesicht zu schauen. Kleineren und etwas größeren.  Da wäre etwa meine grundsätzliche Skepsis vor Booten (spätestens manifestiert seit einem traumatisierenden Segelausflug 2009) oder allgemein vor dem Element Wasser. Außerdem bringe ich fremden Betten und Menschen ein gewisses Unbehagen entgegen. Und ich habe so eine Ahnung, dass mein Italienisch noch nicht einmal für das Bestellen eines Glas Wassers reicht, geschweige denn für eine ganze Vorlesung. Bieten all diese großen Fragezeichen genügend Potenzial, um mich in den kommenden Monaten von einer Krise in die nächste zu stürzen? Mit Sicherheit. Werde ich mich trotzdem voller Elan in dieses Abenteuer stürzen und jede verdammte Sekunde genießen? Ich antworte mit einem entschiedenen: Hoffentlich!

Das Leben ist schön. Ich weigere mich auch entschieden, noch irgendetwas anderes zu glauben. Einen Montag mit morgendlicher Lädenbummelei und abendlicher Geburtstagsreinfeierei zu begehen, so dass dann der Dienstag wahrscheinlich gleich auch noch mit einem Kater begrüßt wird, das geht auch echt nur als Student. "Habt ihr ein Leben", sagt meine Mutter, macht mich damit böse, hat aber wahrscheinlich mal wieder recht.