Anschauen: Der letzte schöne Herbsttag

posted on: Freitag, 27. Dezember 2013

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Liebe ist gemein. Wahnsinnig kompliziert. Kostet schlaflose Nächste und stündlich hundert Herzpunkte auf der Emotionsskala. Und dennoch suchen wir das. Die Liebe. Das Lieben und Geliebt-werden. Die zweite Kaffeetasse auf dem Frühstückstisch, das Ankommen ohne etwas erklären zu müssen, die schmutzige Wäsche auf dem Schlafzimmerboden, die uns zur Weißglut bringt.

"Der letzte schöne Herbsttag" erzählt von einem solchen Miteinander. Claire: diskussionsfreudig, begeisterungsfähig, hypochondrisch, emotional. Leo: wortkarg, Naturbursche, Gefühlslegastheniker. Beide so unterschiedlich wie es nur geht, beide irgendwie der Prototyp ihres jeweiligen Geschlechts, beide aber auch: Total verrückt nacheinander. Erstmal. Denn wie lange geht das gut, wenn der eine immer und der andere nie reden will? Wenn im einen Moment alles perfekt scheint und im nächsten alles kaputt? Wie viel Toleranz geht über kurz oder lang? Und reicht die Liebe, um das, was fehlt, zu überbrücken?

Wir sind eine Weile dabei, begleiten Claire und Leo, an den schönen Tage und den schwierigen Momenten dazwischen. Und wir hören sie erzählen: Von Ideen und Wünschen, über die eigene Person und über den anderen. Da muss man dann manchmal schmunzeln, manchmal laut lachen und manchmal mitheulen. Über so viel Um-sich-selbst-kreisen. Darüber, wie scheiße Liebe sein kann und darüber, dass der einzige Mensch, der einen so unglaublich verletzen kann, oft auch der einzige ist, der die Tränen zu trocknen vermag.

Kein Film für Actionliebhaber oder Pathoskino, stattdessen eine leise Geschichte, die einen immer wieder gnadenlos niederreißt und aufbaut. Ein Lieblingsfilm seit langem und euch wärmstens empfohlen.

Gesehen: Das französische Drama "Jung und Schön"

posted on: Samstag, 7. Dezember 2013

Bildquelle: Moviepilot
"Wir hätten gerne drei Karten für Reich und Schön", sage ich und erst der irrtierte Blick der Dame hinter dem Kinoticketschalter lässt mich merken, dass ich da wohl gerade etwas verwechselt habe. "Jung und schön, meinst du", ruft eine Freundin von hinten. Ääh, ja klar, genau den.

Wie kommt man dazu einen Film über eine junge Französin anzuschauen, die beginnt sich im Alter von 17 Jahren zu prostituieren? Wohl eher zufällig. Ich jedenfalls. Eigentlich wollten wir in einen anderen Film, als der ausverkauft war, entschieden wir uns kurzfristig für das französische Drama. Ein bisschen Skepsis war aufgrund der Handlung durchaus vorhanden, die sich angesichts der beunruhigend hohen Anzahl älterer Herren im Publikum nicht unbedingt verringerte. Harter Tobak auf jeden Fall - oder einfach nur der Versuch durch eine skandalträchtige Geschichte Zuschauerzahlen zu maximieren?

"Es war wie ein Spiel. In dem Moment habe ich fast nichts gefühlt, aber wenn ich daran zurück dachte später, Zuhause oder in der Schule, dann hatte ich Lust es wieder zu tun." 

Und da sitzt man dann plötzlich und schaut sich 90 Minuten lang an, wie Marine Vacth alias Isabelle mit Schlafzimmerblick und vollen Lippen abwesend in die Gegend schaut, egal, ob sie gerade die Blumen auf der Wandtapete zählt oder mit einem Freier schläft. Am Anfang scheint ja noch alles ganz normal zu sein. Familienferienhausidylle, die Chance auf eine Sommerliebe - dazwischen Isabelle, die nach ihrem nicht gerade berauschenden ersten Mal im Urlaub daheim beginnt, mit Männern gegen Geld zu schlafen. Viel Geld. Warum? Das wird nicht ganz klar. Vielleicht gegen die Langeweile des durchschnittlichen Teenageralltags, das Desinteresse, das sie vielen Gleichaltrigen entgegen bringt, vielleicht auch der klischeehafte Vaterkomplex. Seltsam träumerisch und unbeteiligt wirkt sie, auch wenn ihre Lügen irgendwann auffliegen, wenn die Mutter verzweifelt da steht und immer wieder von "ihrem kleinen Mädchen" spricht. Doch nicht nur die Charaktere im Film kommen kaum an Isabelle ran, auch die Distanz zum Zuschauer bleibt durchgehend gewahrt. So sind zum Schluss zwar viele Fragen offen, doch wenigstens spart sich der Film die beim Schauen zeitweise befürchtete Moralkeule.

"Jung und schön" ist ein leiser Film, der ein paar Klischees bedient (warum nur habe ich in der Hauspartyszene permanent darauf gewartet, dass "Dreams are my reality" zu spielen beginnt?), manchmal sehr ästhetisch wirkt und manchmal arg befremdlich. Regisseur Francois Ozon ist auf jeden Fall ein Film gelungen, über den geredet werden kann. Was man dann allerdings sagt, muss jeder selbst entscheiden.

Life happens: Frances Ha

posted on: Montag, 25. November 2013

Heute ein heißer Tipp, solltet ihr euren Weihnachtswunschzettel noch nicht Richtung Nordpol abgesandt haben. Frances Ha, definitiv ein Highlight meines Filmjahres 2013. Ich selbst sah den Film, als wir an einem Julitag in London vor dem heißen Wetter in ein kühles Kino flüchteten - und jubilierte. Nicht nur, weil es in England gang und gebe ist auch mal alleine ins Kino zu gehen, was ich ganz großartig finde. Nein, auch weil sich in diesen zwei Stunden die Neuentdeckung eines cineastischen Kleinods vollzog.

Worum geht es?
Die Endzwanzigerin Frances Halladay (dargestellt von der bezaubernden Greta Gerwig) hat zwei große Lieben im Leben: Das Tanzen und ihre beste Freundin Sophie. Als diese aus der gemeinsamen Wohnung auszieht, stürzt Frances in eine Krise. Der Zuschauer folgt ihr während einer ermüdenden Sinnsuche zwischen Wohngemeinschaften, flüchtigen Bekanntschaften, verlorenen Freundschaften und dem Wunsch, als Künstlerin in New York Fuß zu fassen.

Beste Szene?
Ein Kurztrip nach Paris, der entgegen aller Erwartungen verläuft.

Klügste Worte?
"It’s that thing when you’re with someone and you love them and they know it, and they love you and you know it, but it’s a party! And you’re both talking to other people and you’re laughing and shining and you look across the room and catch each other’s eyes. But…but not because you’re possessive or it’s precisely sexual but because that is your person in this life. And it’s funny and sad but only because this life will end. And it’s this secret world that exists right there in public unnoticed that no one knows about. It’s sort of like how they say that other dimensions exist all around us, but we don’t have the ability to perceive them. That’s…that’s what I want out of a relationship or just life, I guess."

Warum anschauen?
Komplett in schwarz-weiß gehalten, ist "Frances Ha" schon rein visuell ein Leckerbissen. Außerdem lernen wir: Life happens. Vor allem, wenn man gerade mal nicht aufpasst. Manchmal muss man sich von alten Träumen verabschieden, um Platz für Neues zu schaffen. Und anderen guckt man sowieso immer nur vor den Kopf. 

Der Film bringt das Gefühl des Verlorenseins perfekt auf den Punkt, auch wenn man die Hauptdarstellerin manchmal gerne schütteln und dann im nächsten Moment gleich in den Arm nehmen will. "Frances Ha" ist ein Film über das Erwachsenwerden. Manchmal ein bisschen kitschig, stellenweise ein wenig zu hip. Vor allem aber: Liebenswert, irgendwie bezaubernd und seltsam tröstlich. Unbedingt anschauen!

Die DVD kommt laut Amazon am 13. Dezember. Hier geht es zum Trailer

Maybe watch this: Finsterworld

posted on: Freitag, 8. November 2013



You probably want to watch this movie. I know I do. And this is why I peel myself out of my yoga pants tonight and put on something more appropriate. In this effect: Simsalabimsamsasaladusaladim and a wonderful start into your weekend for everyone!

(sorry, guys, its a german movie!)